Schreiben kann Spaß machen. Und das darf es auch, selbst wenn es um trockene Sachtexte geht. Denn zum einen ist die Wissenschaft heute gar nicht mehr so verstaubt, wie das oft vermutet wird. Und zum anderen gibt es einen Unterschied zwischen Text und Textproduktion.

Machen Sie Ihre Argumentation erlebbar

In vielen Köpfen existiert immer noch das Bild von der seriösen Wissenschaft, also einem Bereich des Lebens, in dem für Spaß und Spiel kein Platz ist. Dieses Klischee ist längst überholt. Denn an Fachtexte werden ganz andere Ansprüche gestellt als noch vor ein paar Jahrzehnten. Das liegt vor allem daran, dass nicht mehr ausschließlich für den Kollegenkreis, sondern auch für ein interessiertes Laienpublikum geschrieben wird.

Daher ist es notwendig, auch die Bedürfnisse der fachfremden Leser zu berücksichtigen. Diese erhoffen sich Einblicke in ein unbekanntes Forschungsfeld. Da die meisten jedoch nicht mit dem Thema und seiner Forschungsgeschichte vertraut sind, brauchen sie entsprechende Hintergrundinformationen. Sie wünschen sich eine Aufbereitung, die über die bloße Präsentation der Argumente hinausgeht.

Dieser Herausforderung sollten Sie sich stellen: Diskutieren Sie nachvollziehbar und empfängerorientiert und arbeiten Sie mit sprachlichen Bildern.

Bringen Sie Leichtigkeit in den Schreibprozess

Wie Sie sicherlich wissen, beeinflusst Ihre innere Haltung auch Ihr Handeln: Das, was Sie mit Lust und Freude machen, geht Ihnen leicht von der Hand. So ist das auch beim Schreiben.

Versuchen Sie doch mal, Ihre Arbeit als Spiel anzusehen. Eine Vielzahl von Untersuchungen hat gezeigt, dass die Übertragung von (computer)spieltypischen Elementen in spielfremde Bereiche, auch Gamification genannt, zur Steigerung der Motivation beiträgt.

Gamification ist sinnvoll bei Tätigkeiten, die als wenig herausfordernd und monoton wahrgenommen werden. Aber auch Aufgaben, die sehr komplex sind, lassen sich mithilfe von Quests oder Scores oft besser bewältigen.

So nutzen Sie Gamification bei der wissenschaftlichen Arbeit

Lassen Sie sich inspirieren von den Ideen aus der Spielewelt. Sie werden staunen, wie einfach sie auf das wissenschaftliche Schreiben zu übertragen sind.

1.    Epic meaning

Die Erfahrung lehrt, dass Aufgaben, in denen wir den tieferen Sinn erkennen, uns sehr stark motivieren – oft mehr als die Aussicht auf Ruhm und Ehre. Diesen Motivator im Schreibprozess zu nutzen, ist ganz einfach. Sie müssen sich nur überlegen, welchen Gewinn Ihre Arbeit darstellt.

Betrachten Sie sie keinesfalls als Sisyphosaufgabe. Reden Sie sich nicht ein, dass das so wie so keiner liest und Sie nur „für die Schublade“ schreiben.

Stellen Sie sich lieber vor, dass Ihre Gedanken und Analysen andere inspirieren, dass Sie neue Perspektiven aufzeigen oder mit Ihren Fragen Diskussionen anregen. Machen Sie sich bewusst, wie Sie anderen helfen können und die Forschung dadurch einen kleinen Schritt voranbringen.

2.    Fortschrittsbalken

Um die Motivation den gesamten Schreibprozess über zu erhalten, sollten Sie den Fortschritt Ihrer Arbeit dokumentieren. Wie viel haben Sie schon geschafft? Was liegt noch vor Ihnen? Diese Fragen lassen sich mit einem Blick beantworten, wenn Sie eine „Fortschrittsanzeige“ haben.

Brechen Sie die anstehenden Arbeiten in übersichtliche Teilschritte herunter und definieren Sie kleine Zwischenziele. Visualisieren Sie das Erreichen jedes Zieles. Das geht am besten mit kleinen Kästchen, die Sie farblich kennzeichnen. So bedeutet z.B. grün „erledigt“ und rot „noch ausstehend“.

3.    Quests

Kleine Rätsel oder Fleißaufgaben, die in einer bestimmten Zeit erledigt werden müssen, bringen Abwechslung ins Spiel und sorgen für den schnellen Motivationsschub zwischendurch.

Sehen Sie die Erstellung von Grafiken, Tabellen, Verzeichnissen usw. als Quest an. Legen Sie dafür einen angemessenen Zeitrahmen fest und stellen Sie eine Belohnung in Aussicht.

So erledigen Sie diese Aufgaben schnell mal nebenbei und schieben sie nicht bis zum Schluss auf. Darüber hinaus verringern Sie sie Gefahr, sich bei Formatierungsarbeiten unangemessen viel Zeit zu nehmen.

4.    Belohnungen

Der Lohn jeder wissenschaftlichen Arbeit ist der Erkenntnisgewinn. Diese immaterielle Belohnung hat große Bedeutung. Bedauerlicherweise wird sie von vielen einfach übersehen.

Machen Sie sich bewusst, was Sie konkret im Rahmen Ihrer Arbeit gelernt haben. Freuen Sie sich über jede Antwort, zu der Sie durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema gefunden haben. Und überlegen Sie sich, wie Sie die gewonnenen Erfahrungen auch zukünftig nutzen können.

Wenn Ihnen das nicht reicht, können Sie sich zusätzliche Anreize schaffen: Belohnen Sie sich z.B. nach jedem fertigen Kapitel mit einem arbeitsfreien Abend, einem Treffen mit Freunden oder anderen Gelegenheiten, die Ihnen Kraft geben.

5.    Cascading information

Wer konzentriert bei der Sache ist und nur die gerade wichtigen Dinge im Blick hat, kommt schneller voran. In Spielen bekommen Sie bei den Quests daher immer nur die Informationen, die Sie aktuell benötigen.

Beim Schreiben müssen Sie selbst dafür sorgen, fokussiert arbeiten zu können. Das funktioniert am besten mit etwas Vorbereitung zu Beginn Ihrer Arbeit. Erstellen Sie sich eine detaillierte Gliederung mit konkreten Fragen für jeden Unterpunkt. Im Schreibprozess wissen Sie dann ganz genau, welche Frage Sie im jeweiligen Unterkapitel beantworten müssen.

Konzentrieren Sie sich beim Schreiben auf Ihre Argumentation – und blenden Sie alle Gedanken an mögliche Zusammenhänge oder Verknüpfungen vorerst aus. Darum müssen Sie sich erst in der Überarbeitungsphase kümmern.

6.    Transparenz des Resultats

Um einschätzen zu können, ob sich der Aufwand lohnt oder nicht, wird in Spielen immer das Ergebnis einer Aktion angezeigt.

Bei wissenschaftlichen Texten ist das ebenso sinnvoll. Machen Sie deutlich, was Sie mit Ihrer Forschungsfrage bezwecken. Bilden Sie Hypothesen und schaffen Sie damit Transparenz. Die Verifizierung oder Falsifizierung Ihrer Hypothesen definiert dann den Weg bis hin zur Beantwortung der Forschungsfrage.

7.    Community collaboration

In Spielen lassen sich manche Aufgaben nur in Zusammenarbeit mit anderen lösen. Das ist bei Studienarbeiten anders. Sie können Ihre Arbeit üblicherweise nicht mit anderen zusammenschreiben. Trotzdem sollten Sie sich Unterstützung holen.

Suchen Sie den Austausch mit Gleichgesinnten. Das nimmt viel Druck von Ihren Schultern und motiviert Sie zum Weiterarbeiten. Zum einen merken Sie, dass Sie nicht allein sind („geteiltes Leid ist halbes Leid“). Zum anderen können Sie sich Hilfe holen, z.B. bei organisatorischen Fragen. Außerdem werden Sie Wertschätzung erfahren, wenn Sie Ihre Erfahrungen an andere weitergeben.

Entdecken Sie den Spieler in sich!

Jeder hat einen anderen Motivator. Das, was den einen voranbringt, hat bei einem anderen keine Wirkung. Wählen Sie deshalb immer die für Sie geeignete Methode. Überlegen Sie sich, welche der spieltypischen Elemente Ihnen interessant erscheinen – und nutzen Sie diese im Schreibprozess.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Gamification beim Schreiben gemacht? Sagen Sie es mir. Ich freue mich auf Ihr Feedback.