Wie peinlich, wenn man auf einen Fehler hingewiesen wird. Dabei sind Fehler eigentlich gar nicht schlimm. Denn alles, was wir anders als erwartet machen, erweitert unseren Horizont und bringt uns damit Erfahrung.

Genaugenommen basiert der gesamte Fortschritt der Menschheit auf dem Trial-and-error-Prinzip, also auf Versuch und Irrtum. Leider pflegen wir – trotz dieses Wissens – keine positive Fehlerkultur, sondern interpretieren Fehler weiterhin als Makel.

Im Schreibprozess entscheiden Sie zu einem Großteil selbst, wie Sie mit Fehlern umgehen. Ich empfehle Ihnen, sich eine lösungsorientierte Fehlerkultur zuzulegen.

Machen Sie jeden Fehler nur einmal

Um einen Fehler als Bereicherung wahrzunehmen, müssen Sie die entsprechenden Lehren daraus ziehen. Voraussetzung dafür ist, dass Sie die Ursache identifizieren. Mit dem Ishikawa-Diagramm können Sie strukturiert nach möglichen Störquellen suchen.

„Richtig“ und „falsch“ sind unzureichende Kategorisierungen

Im Umgang mit vermeintlichen Fehlern sollten Sie bedenken, dass es oft gar kein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Vielmehr gibt es ein breites Spektrum dazwischen.

Ein kleines Beispiel: Die Kennzeichnung von Zitaten bietet viel Raum für Interpretationen. Selbstverständlich gibt es bestimmte Regeln, die eingehalten werden müssen. Doch bei allem, was über die Konventionen hinaus geht, müssen Sie eine Entscheidung treffen:

Welche Informationen müssen belegt werden, was ist Allgemeingut?
Wie kennzeichne ich Quellen, als Kurzbeleg oder in einer Fußnote?
Reicht ein Hinweis am Absatzende oder braucht jeder Gedanke eine Referenz?

Diese und viele weitere Fragen lassen sich nicht allgemeingültig beantworten. Denn auch bei so streng reglementierten Vorgaben wie den Zitierregeln gibt es verschiedene Herangehensweisen – die jeweils mit Vor- und Nachteilen verbunden sind.

Sie müssen für sich und Ihren Text festlegen, was Sie im konkreten Fall für geeignet halten.

Finden Sie kreative Lösungen

Machen Sie sich bewusst, dass Sie auch beim wissenschaftlichen Schreiben kreativ sein dürfen. Denn: Was wir momentan noch als ungewöhnlich ansehen, kann – wenn die Idee interessant ist und auf Nachahmer trifft – schnell zur Norm werden.